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26. Februar 2011

Kommentar von Kapitän Paul Watson


„Das Entsetzlichste ist geschehen, alle Träume müssen begraben werden, Großer Gott! Dies ist ein fürchterlicher Ort.“
- der britische Antarktisforscher Robert Falcon Scott

Der Sturm, der die norwegische Yacht Berserk forderte, war eine furchtbare Darbietung von Mächten der Natur. Drei Schiffe machten diesen Sturm mit jeweils unterschiedlichem Ausgang durch. Die 14-Meter-Yacht Berserk hatte keine Chance, als der wütende Sturm, der den Mount Erebus herunterpfiff, über sie hereinbrach, wie Korvettenkapitän Simon Griffith vom neuseeländischen Marineschiff Wellington beschrieb, als Winde von 182 Km/h Geschwindigkeit, die „vor dem Ross Schelfeis explodierten“. Eine treffende Wortwahl, wenn man in Betracht zieht, dass der Sturm buchstäblich wie eine Bombe losging, ohne Vorwarnung und ohne große Chance, ihm auszuweichen oder sich vorzubereiten.

Die Berserk und ihre kleine Crew waren im Epizentrum der sehr weißen Sturmbö, aber als ihr Notsignal losging, wurden noch zwei weitere Schiffe in den Hexenkessel in und um den McMurdo Sund gezogen. Die Wellington und ihre Crew aus 55 Seeleuten waren am nächsten und das Sea Shepherd Schiff Steve Irwin und seine 38-köpfige Crew war das zweitnächste Schiff. Insgesamt haben 96 Menschen diesen Sturm durchgemacht und 3 von ihnen haben darin ihr Leben gelassen.

Als Reaktion auf das Notsignal drehte das erneut beauftragte eissichere neuseeländische Patrouillenschiff der Marine HMNZS Wellington Richtung McMurdo Sund ab, wie auch das Sea Shepherd Schiff Steve Irwin, um eine Untersuchung des Ross Schelfeises über rund 200 Meilen in Richtung Osten durchzuführen.

„Als wir antworteten, saßen wir in dem stärksten Sturm fest, den ich innerhalb von 19 Jahren in der Navy jemals ausgesetzt war“, teilte der Korvettenkapitän Simon Griffith der neuseeländischen Presse mit. „Die starken Winde türmten Wellen bis zu 8 Metern auf, wobei die Gischt sich zu dichtem Eis auf den Decks verwandelte. Antennen, Beleuchtung und Lautsprecher wurden hinweggefegt“. Griffith berichtete, sie hätten sogar ihr Hecklicht verloren.

Drei ihrer Rettungsflöße wurden abgerissen und ins Meer geworfen, von denen eines am nächsten Morgen von der Crew der Steve Irwin entdeckt worden war. „Wir haben noch genügend an Bord um sicher zu sein“, sagte er. Inmitten all dessen erhielt Griffith die Nachricht von dem Erdbeben in Christchurch; er behielt diese 12 Stunden für sich um nicht seine Crewmitglieder weiterem Streß auszusetzen.

Die Wellington kämpfte sich in den Windschatten des Mount Erebus vor, doch kaum hatte sie den McMurdo Sund erreicht, wurden sie wieder erwischt. „Das war die schwerste See, der ich jemals ausgesetzt war“, sagte Griffith.

Am letzten Montag hatte die Crew der Wellington die drei von der Crew der Berserk an der Back Door Bucht getroffen, wo die Shackleton Hütte steht. „Sie riefen uns an und fragten nach einem Päckchen Zigaretten. Wir hatten keine, aber wir gaben ihnen eine Zigarre“, sagte Griffith. Die Yacht wurde gewarnt, dass schweres Wetter im Anmarsch sei. Schweres Wetter indes ist normal für diese Gegend und selbst die Wellington war überrascht, wie schwer genau dieser Sturm wirklich wurde. „Die Yacht schien sehr robust und hochseetauglich zu sein und es waren drei aufgeweckte Norweger“.

Der Anführer der Berserk, Jarle Andhoy, 34, und Samuel Massie Ulvolden, 18, versuchten den Südpol zu erreichen um das Hundertjährige der Südpolexpedition des Norwegers Roald Amundsen zu begehen. Die drei auf der Yacht verbliebenen waren Robert Skaane, 34, Tom Gisle Bellika, 36, und der Südafrikaner Leonard Banks, 32.

Die Berserk mußte eine Erlaubnis des norwegischen Polar-Instituts erhalten um unterhalb des 60. Breitengrades zu fahren. Der Beamte Jan-Gunnar Winther bestätigte, dass sie keine Erlaubnis hatten. Das war nicht ungewöhnlich für Andhoy, der in Norwegen einen Ruf als rebellischer Abenteurer hat.

Der Manager der Scott-Basis Troy Beaumont sagte, der Sturm, der die Berserk und die Wellington getroffen habe, war „ziemlich dämlich“.

Die Steve Irwin lag nur wenige Stunden hinter der Wellington und fuhr mit 14 Knoten auf McMurdo zu. Es war nicht der schlimmste Sturm, den ich erlebt habe, aber ich erinnere mich nur an zwei, die noch schrecklicher waren, der erste ein Taifun im südchinesischen Meer im Jahr 1969, und der zweite ein Sturm von der Macht eines Hurrikans vor Labrador im Jahr 1998.

Es war für viele aus meiner Crew furchterregend obwohl ich ihnen versicherte, dass unser Schiff der Herausforderung mehr als gewachsen war. Dennoch waren die Decks und das Heck des Schiffes von dicken Schichten aus salzigem Eis ummantelt, da die in der extrem abgekühlten Luft gefrorene Gischt sich an die Stahlwandungen und Decks heftete und Tonnen zusätzlichen Gewichts mit sich brachte, das ausgeglichen werden mußte.

Unser Bug durchpflügte die See und schnitt mit einer Wucht durch die Wellen, die schaudernde Erschütterungen durch das Schiff sandte. Wellen donnerten gegen die Backbordseite, als hätte ein wutentbrannter Riese nach uns getreten. Die Temperaturen im Lebensmittellagerraum waren so abgefallen, dass der Koch Obst und Gemüse in den Kühlschrank umräumen mußte, um zu verhindern, dass es gefror. Wasserleitungen platzten und alles, einschließlich der Crew, was nicht angebunden war, flog im Inneren herum und machte jeden Schritt zu einem halsbrecherischen Wagnis. Zwei der Crewkojen wurden von eisigem Wasser aus geplatzten Wasserleitungen geflutet. Eine aus unserer Crew renkte sich ihre Schulter aus und eine weitere erlitt eine ernstliche Quetschung ihres Arms. Es war keine angenehme Fahrt und in einen solchen Sturm zu fahren, war nicht zweckmäßig - doch wegen der vermissten Berserk blieb uns keine Wahl – als Seeleute hatten wir einer Pflicht nachzukommen und das taten wir.

Die Wellington war gezwungen, nach Neuseeland zurückzukehren. Wir übernahmen als Hauptsuchschiff und obwohl wir voller Hoffnung waren, zerschlug sich diese Hoffnung, als wir das unbesetzte Rettungsfloß der Berserk entdeckten. Die Berserk war verloren, die Wellington beschädigt, nur die Steve Irwin trug glücklicherweise keinerlei Schaden davon.

Ich besann mich darauf, wie klein die Welt ist. Ich hatte Jarle Andhoy, den Skipper der Berserk, vor Jahren getroffen, als er seinen Film Berserk beim Telluride Mountain Film Festival vorstellte. Er war mit 17 Jahren ganz allein in die Antarktis gesegelt, wobei sein Schiff Berserk I in der Drake Passage kenterte, er es jedoch geschickt geborgen und seine Fahrt vollendet hat. Er ist durch die Nordwestpassage in der Arktis gesegelt. Er war aber nicht auf der Berserk, als diese vom Sturm heimgesucht wurde und ich habe keine Kenntnisse über welche Erfahrung die Crew verfügte, die dort war.

Es war zudem eine Ironie, dass Andhoy und seine Crew des hundertjährigen Jahrestags von Amundsens erfogreicher Entdeckung des Südpols gedachten. Wir waren nur 2 Tage zuvor an der Bucht der Wale gewesen um das Hundertjährige als Gelegenheit zu nutzen, eine Botschaft an Norwegen zu senden, den Walfang zu beenden.

Ich muss eingestehen, dass mir das Verständnis fehlt, weshalb Andhoy und Ulvolden so spät in der Saison auf Quad Bikes zum Südpol aufbrachen. Dezember ist die Zeit, sich auf den Weg zum Südpol zu machen, nicht Februar. Es war das Wetter von Januar und Februar, das Robert Scott, Edward Wilson, Henry Bowers, Laurence Oates und Edgar Evans 1912 das Leben kostete. Mit dem Aufbruch so spät in der Saison müssen sie der zunehmenden Rauheit des nahenden antarktischen Winters standhalten. Die Wissenschaftler und Arbeiter von McMurdo waren längst evakuiert worden, in der Erwartung, dass die Ross Insel von Eis eingeschlossen wird. Der Grund für eine Spritztour zum Pol im späten Februar ist rätselhaft, aber es ist nicht an mir, ein Urteil über Andhoy und sein Team zu fällen. Vielleicht war es ein Teil ihrer Herausforderung.

Ich weiß aus Erfahrung sehr gut, dass die Natur extrem erbarmungslos ist, ganz entsetzlich sogar. Nirgends auf der Erde ist die Natur so dominant und grausam wie in der Antarktis, wo die majestätische Schönheit dieses stillen Landes, eingehüllt in eiskalte Weiße, alle Herausforderer deutlich gemahnt, dass dieser Kontinent alle beherrscht, die ihn aufsuchen. Wir beherrschen ihn nicht.

Ich schrieb das folgende Gedicht während eines weniger starken Sturms vor der Antarktikküste im Jahr 2008.

Der Sturm

Dieses Gedicht wurde im Januar 2008 verfaßt, als die Steve Irwin Richtung Süden fuhr, um gegen die japanische Walfangflotte vorzugehen. Ich schrieb es während des Sturms in dem Versuch, die Gefühle der Crew und das Ächzen des Schiffs einzufangen.

Voller Vertrauen segelte mein Schiff gen Süden,

Nicht achtend der Gefahr,

Ich fürchtete keinen aufkommenden Sturm,

Solche Winde waren mir nicht fremd.

Doch in meiner Crew waren unerfahrene Seeleute

Manche schon seekrank von der kleinsten Bewegung,

Für sie würde dies zur einer Bewährungsprobe,

und Furcht würde ihr Empfinden beherrschen



Die sanfte See wich steigendem Seegang,

Schaumgekrönte Wellen spieen salzige Gischt

Die Wellen wurden höher mit den Gezeiten,

und peitschten über die dunkle Hülle,



Die Neulinge an Deck blickten in die aufsteigenden Wolken

Junge Augen weiteten sich in aufkeimender Angst.

Blitze krachten über den Himmel,

Sie begannen zu begreifen.



Der Sturm brach wie eine Bombe über uns hernieder,

Der Wind zerriß die Leitungen bis zum tödlichen Rest

Der Wind heulte durch die Takelage,

Und aus tiefdunklen Wolken wurde der Sturm geboren.



Mit gleißendem Blitzstrahl peitschte der Regen,

Und wusch die Decks vollkommen rein,

Der Wind erhob sich zu furchtbarem Tosen,

und heulte auf wie die Ausgeburt der Hölle.



Wie einer Todesfee jammernde Totenklage,

höhnten die bösen Winde,

störten die Knochen jedes toten Seemannes auf

die aus den Tiefen aufsteigend herumspukten.



Inmitten des Sturms hörten wir sie leise lachen

Die Dämonen der See gaben eine gräßliche Vorstellung

Sie trachteten nach uns, ihnen zu folgen,

zur Teilhabe an ihrem kläglich feuchten Elend



„Schenkt den Unholden keine Beachtung“ rief der Kapitän.

„Achtet auch der lockenden Sirenen nicht,

wir werden ihnen nicht verfallen heute nacht,

Nein, nicht diese furchtlosen Seeleute“.



Das Schiff, es schwankte und es rollte,

wie ein Spielzeug in der Gewalt des Sturms,

Hilflos gaben wir Acht und hielten den Kurs,

hofften, die Maschinen versagten nicht ihren Dienst,



In den Schlund des Zyklons hineinzufahren,

heißt Gott in’s gnadenlose Antlitz zu speien,

Gebete und Flehen sind nutzlose Worte,

wenn Salz alles ist, das du schmeckst.



Der Wind treibt Salz aus deinen Augen,

er wirbelt Gischt in dein gefrorenes Gesicht,

Deine Haut ist gespickt mit scharfen Kristallen,

diese Hölle gewährt dir nirgends sichere Zuflucht.



Du siehst den Bug hinabstürzen und abtauchen,

Die See bestürmt das verlassene Deck,

Der Schiffsrumpf ächzt und der Kiel erzittert,

verängstigte Ratten stürzen sich vom Schiff,



Das Stampfen nimmt zu während der Wind weiter rast,

Glas wird zertrümmert, die Rettungsboote fortgerissen,

Das Schiff rollt und ächzst als läge es im Sterben,

Und die Mannschaft verflucht jede Minute des Tages.



Die wilden Stürme fegten über unser Heck,

Die monströse Brise trat uns in den Arsch,

Wir ritten auf berghohen Wellen,

Und sehnten uns danach, dass der Sturm vorüberginge.



Salzwasser peitschte uns wie Sklaven

Bei unserem Kampf, das Schiff auf Kurs zu halten,

blind und taub krümmten wir unseren Rücken,

Mein Gott, welch fürchterliche Macht!



Durchnäßt und müde und steifgefroren,

Die Finger taub und Ellbogen wund,

Bestrebt, wach und auf der Hut zu sein,

sind wir, dem Himmel sei Dank, weit vor der Küste.



Ich vermeide den Gedanken, was ein Riff uns antäte,

Diese Winde würden uns in die Hölle der Vernichtung schleudern,

Keine Felsen hier draußen um den tödlichen Schlag zu führen,

Jedes Schlingern läutet die Glocke.



Seeleute herumgeschleudert wie Puppen auf der tosenden See,

Die uns verhöhnt und verspottet, sich belustigt über unseren Unmut.

Unsere Schmerzen und Qualen bedeuten ihr nichts,

Ihre Zerstörungskraft kennt keinerlei Maß.



Und als wolle sie ihren Zorn zeigen,

bombardiert sie uns mit harten Hagelkörnern,

deckt uns dann ein mit grauem üblem Graupel,

Und der Sturm tost und heult fortwährend.



Und durch ihren vom Wind gepeitschten Regen erkenne ich,

Mit welcher Majestät ihre Macht hervorbricht,

Ehrfurcht wischt jede Angst hinweg,

Und ich höre die Poesie im Heulen ihrer Klagelieder.



Ein Lächeln und ich lecke mir das Salz von den Lippen,

Einverstanden, diesen Höllensturm auszureiten,

Und im Augenblick seufzte der Sturm,

Und Ruhe zog über die Dünung,



Die Sonne stach durch die dunklen Wolken,

Ein goldener Lichtstrahl drang auf Deck und Mast.

Ein Regenbogen kämpfte sich über das Himmelszelt,

Der Sturm war endlich vorüber.



Innerhalb weniger Stunden kehrte Ruhe ein,

das jüngste Geschehen war wie ein Traum,

Die ungestüme Gewalt verflog ohne Reue,

Vom abtrocknenden Deck stiegen Dampfschwaden auf.



Eines Seemanns erster Sturm ist ein Alptraum,

er jagt dir Angst in Herz und Seele ein,

ist er vorüber, zeigt er dir, wie kostbar das Leben doch ist,

und diese Erkenntnis zu gewinnen lohnt den angsteinflößenden Tribut.



s.a.  http://www.facebook.com/notes/captain-paul-watson/messages-from-norway/174757529237605 (Anm. d. Ü.)






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