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19. Januar 2011

Die Fünf Herausforderungen in Japan und die Fünf Strategien für Taiji-Nihon

Kommentar von Kapitän Paul Watson

Go Rin No Sho
(„Das Buch der Fünf Ringe“ von Miyamoto Musashi)

Es wäre eine Dummheit, sich den Praktiken einer bestimmten Nation oder Kultur entgegenzustellen, ohne im Vorfeld den Versuch unternommen zu haben, diese kulturellen Praktiken und Überzeugungen zu verstehen.

Ich bekämpfe den japanischen Walfang seit 1976, was mich dazu brachte, die Geschichte des Walfangs in Japan zu erforschen. Bereits zuvor hatte ich mich mit der Geschichte Japans beschäftigt. Ich muss allerdings einräumen, dass sich diese Beschäftigung auf die Zeit nach 1600 beschränkte – von der Entstehung des Tokugawa-Shogunats bis zur Meiji-Restauration und bis in die Gegenwart hinein.

Das erste Mal kam ich 1969 nach Japan – als Matrose der Handelsmarine auf dem norwegischen Massengutfrachter Bris. Wir legten in Nigata an und ich hatte die Gelegenheit, Kyoto und seine zahlreichen Tempel und Museen zu besuchen. Dieser erste Besuch entfachte ein lebenslanges Interesse für die japanische Geschichte in mir und ließ mich auf die Strategien Miyamoto Musashis aufmerksam werden.

1982 kehrte ich nach Japan zurück, um auf der Insel Iki mit Fischern über das Ende des Delfinmordens dort zu verhandeln. 1981 war mein Mannschaftsmitglied Patrick Wall verhaftet worden, weil er Delfine auf Iki befreit hatte. 1980 hatten sie den Fund for Animals-Repräsentanten und Freund von mir Dexter Crate für mehrere Monate festgesetzt, ebenfalls für das Befreien von Delfinen in Iki. Ich glaube, dass es die gemeinsamen Anstrengungen von Howard Hall, Hardy Jones, Dexter Cate, Patrick Wall, Cleveland Amory, dem Fund for Animals und Sea Shepherd waren, die dazu führten, dass das Abschlachten 1983 aufhörte.

Die Fünf Herausforderungen in Japan

Nihon no Itsutsu no Cyousen

Noch heute befinde ich mich im Kampf gegen die zahlreichen Abscheulichkeiten, die einige japanische Bürger dem Leben im Meer antun. Ich sehe hier vor allem fünf große Herausforderungen:

1. Den illegalen Walfang in den Schutzzonen des Südpolarmeeres,

2. Das Abschlachten der Delfine in Taiji, Japan,

3. Das jährliche Massaker an etwa 20.000 Weißflankenschweinswalen im nördlichen Japan,

4. Die drohende Ausrottung des Blauflossen-Thunfischs und

5. Die exzessiv betriebene und illegale pelagische Langleinen-Fischerei (Anm. d. Ü.: von der Meeresoberfläche ausgehende Langleinenfischerei).  

Die Sea Shepherd Conservation Society hat sich aktiv mit vieren dieser Probleme befasst. Mit dem Walfang im Südpolarmeer seit 2002, mit dem Abschlachten der Delfine in Japan seit 1980 – in Taiji insbesondere seit 2003. Mit der Jagd auf Blauflossen-Thunfische seit 2009 und mit dem Problem der Langleinenfischerei seit 1987. Wenn es die Zeit und unsere Ressourcen zulassen, werden wir auch das fünfte Problem, das massenhafte Abschlachten der Weißflankenschweinswale, angehen.

Doch jetzt möchte ich mich dem Problem in Taiji widmen, um hieran Sea Shepherds Gesamtstrategie zu erläutern.

Seitdem Sea Shepherd 2003 das internationale Interesse auf Taiji gelenkt hatte, haben Ric O’Barry und das Produktionsteam der Oceanic Protection Society (OPS) Taiji zu einer wirklich internationalen Sache gemacht. Keine Frage, der internationale Druck, den die Japaner als gaiatsu bezeichnen, ist inzwischen ein wichtiger Faktor im Kampf gegen die Abscheulichkeiten des Delfinmordens in der Wakayama Präfektur geworden – wenn nicht der wichtigste.

Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Bemühungen von Sea Shepherd die am längsten andauernden und beständigsten im Kampf gegen das Töten der Delfine in Taiji sind. Nichtsdestotrotz ist Sea Shepherd der Auffassung, dass die Stärke einer jeden Organisation in der Vielfalt ihrer Herangehensweisen liegt. Wir haben diese Vielfalt in den fortwährenden Bemühungen von Ric O’Barry, OPS und Earth Island Institute gesehen und in den jahrelangen Dokumentationsbeiträgen von Hardy Jones und Howard Hall.

Freilich waren alle diese Bemühungen eine Form von gaiatsu, jedoch ohne den Erfolg, innerhalb Japans viel Druck durch die japanische Bevölkerung hervorzurufen. Dies ist bedauerlich, bedeutet aber nicht, dass man von gaiatsu ablassen sollte.

Letztes Jahr gründete Sea Shepherd die Cove Guardians (engl. für Buchtwächter), die täglich die Geschehnisse in Taiji überwachen und aufzeichnen. Die Cove Guardians stehen unter der Leitung eines kleinen, bewährten Teams, das in Taiji stationiert ist und die Tätigkeiten der internationalen Freiwilligen koordiniert, die in Taiji auf Land für eine kurze Zeit mithelfen. Die Cove Guardians waren in Taiji seit Anfang September 2010 jeden Tag aktiv und werden es bis Ende März 2011 bleiben. Dies ist das erste Projekt seiner Art und wird ein sehr detailliertes Portrait dessen zeichnen, was in Taiji geschieht.

Es gibt jedoch zwei Fraktionen, die mit dieser Herangehensweise nicht einverstanden sind. Der einen ist sie nicht aggressiv genug. Die andere meint, wir seien mit unserem Vorgehen zu aggressiv. Das ist nichts Ungewöhnliches und wir haben auch nie behauptet, es allen recht zu machen.

Die Gruppe Black Fish steht für diejenigen, die meinen, wir seien nicht aggressiv genug. Ohne Mitwissen von Sea Shepherd versuchten Mitglieder von Black Fish im Oktober 2010 – einige davon ehemalige Sea Shepherd-Crewmitglieder – Netze zu kappen, um Delfine in den Hafen von Taiji zu entlassen. Der Versuch scheiterte und es wurden keine Delfine befreit. Ich bin der Überzeugung, dass diese Aktion schlecht geplant und daher kontraproduktiv war. Es wäre ein moralischer Sieg gewesen, wenn sie erfolgreich gewesen wären, aber den Aktivisten, die die Aktion ausführten, fehlte es an vernünftigem Training und an Erfahrung. Ich könnte niemals gegen eine Maßnahme sein, die dazu führt, dass auch nur ein einziges Delfinleben gerettet wird, selbst wenn dadurch die Gesamtstrategie geschwächt wird. Aber ein kompletter Fehlschlag, der aus der Anwendung solcher Taktiken resultiert, führt nur dazu, dass Überwachung und Sicherheitsvorkehrungen verstärkt werden, ohne auch nur das Geringste zu erreichen.

Eine erfolgreiche Aktion rechtfertigt, fortan mit verschärften Maßnahmen der Gegenseite umgehen zu müssen. Eine erfolglose Einmischung, die in einer Eskalation auf der Gegenseite mündet, ist kontraproduktiv.

Sea Shepherd hatte bereits 2003 Netze zerschnitten und Delfine befreit und obwohl dies eine erfolgreiche Intervention war, hat es zugegebenermaßen nicht dazu beigetragen, das Hauptproblem zu lösen. Nichtsdestotrotz führte es dazu, dass die Fischer sich fortan bemühten, ihr ruchloses Treiben vor der Öffentlichkeit zu verbergen, was wiederum die Grundlage für den oskarprämierten Film Die Bucht schuf.

Wie zu erwarten, hat The Cove dazu geführt, dass sich mehr Menschen für das Geschehen interessieren und aktiv werden, das Delfinschlachten anzusprechen. Unglücklicherweise meinen es viele gut, gehen die Situation jedoch ohne eine vernünftige Strategie an. Einige reagieren emotional, andere haben fragwürdige Motive.

So hat die Gruppe Oceanic Defense behauptet, im September 2010 in Taiji gewesen zu sein, dabei jedoch lediglich Bilder aus dem Cove Guardian-Blog von Sea Shepherd auf ihrer eigenen Website veröffentlicht. Sie haben schließlich zugegeben, dass sie nicht vor Ort waren. Es war also offensichtlich, dass sie Taiji lediglich benutzen wollten, um mehr finanzielle Unterstützung für ihre Organisation zu erhalten. Die Cove Guardians vor Ort waren wenig begeistert davon, einen unsichtbaren, selbsternannten Helfer zu haben, der in der Öffentlichkeit drohte, Fischerboote zu versenken und Netze zu zerschneiden.

Vor kurzem haben einige westliche Gruppen Sea Shepherd dafür kritisiert, dass der Einsatz der Cove Guarians gegenüber der japanischen Kultur respektlos sei. Sie gingen sogar noch weiter und bezichtigten Sea Shepherd der Gewalttätigkeit und Illegalität.

Die Cove Guarians waren an keiner gewaltsamen Aktion beteiligt, noch wurde auch nur ein einziges Verbrechen von einem Cove Guardian während seines Aufenthaltes in Japan begangen. Es gibt eine übersteigerte Wahrnehmung von gewaltsamen und kriminellen Taten seitens Sea Shepherd, größtenteils handelt es sich hierbei um Anschuldigungen von Kritikern, die zum Teil aus dem rechten Flügel in Japan kommen, hauptsächlich jedoch von westlichen Gruppierungen, die der Ansicht sind, dass der Schlüssel zur Beendigung des Mordens in Japan darin bestünde, in der Öffentlichkeit demütig den Respekt gegenüber den japanischen Fischern zu bekunden - denjenigen, die für das Töten verantwortlich sind!

Die rechtsextremen Nationalisten in Japan haben sogar eine neue Phrase eingeführt: food culture; und sie haben angemerkt, dass jede Kritik am Essverhalten der Japaner Rassismus gleichkomme. Denn jedes Mal, wenn irgendwo das Wort Rassist in eine Diskussion eingeworfen wird, kann man darauf zählen, dass die politisch korrekte Masse mit aufrichtigem Schrecken, Entrüstung und Verurteilung reagiert. Damit ist zu rechnen und es kann kaum überraschen.

Selbst wenn ich es vorziehe, ökologisch, statt politisch korrekt zu sein, bin ich nicht gänzlich unsensibel, was die Bedenken jener angeht, die ihre sogenannte Kultur verteidigen wollen. Die Frage ist allerdings, ob das Abschlachten der Delfine Bestandteil der japanischen Kultur ist oder lediglich der in Taiji. Es gibt zum Beispiel einige sadistische Typen in Colorado, die behaupten, es sei Bestandteil ihrer Kultur, Präriehunden zum Spaß den Kopf wegzupusten. Vielleicht stimmt das für irgendein zurückgebliebenes Redneck-Dorf in Colorado aber es kann kaum behauptet werden, dass es ein Teil der amerikanischen Kultur sei, Präriehunde abzuknallen.

Wie auch immer, es geht nicht darum, eine kulturelle Tradition abzulehnen als viel mehr darum, eine Kultur einer andren vorzuziehen. Es ist nich möglich, zwei einander entgegengesetzte Kulturideen gleichzeitig zu respektieren. Sea Shepherd hat sich dazu entschlossen, die Kultur der Delfine derjenigen eines kleinen Provinzkaffs in Japan vorzuziehen, von dem selbst die meisten Japaner vor diesem Konflikt noch nie etwas gehört hatten.

Natürlich gibt es Menschen, die abstreiten, dass Delfine eine Kultur haben. Aber es ist eine Tatsache, dass Delfine intelligent sind, sie haben hoch entwickelte Verständigungsmöglichkeiten und ein sehr komplexes Modell der sozialen Interaktion mit Artgenossen. Jede Wal- und Delfinart hat ihre eigene einzigartige Kultur und diese Kultur beinhaltet ihr Recht, zu leben und nicht von den chauvinistischen Gelüsten der Kultur einer anderen Spezies belästigt zu werden.

Sea Shepherd hat sich entschieden, sich für das kulturelle Überleben der Delfine einzusetzen anstatt für die kulturellen Interessen einer sehr kleinen Gruppe von Fischern in Japan.

Die einzige Gruppierung innerhalb Japans, die sich außerhalb Taijis für die so genannte Esskultur interessiert, ist die ultrarechte nationalistische Bewegung. Und diese findet wenig Unterstützung, auch wenn sie gerne laut und drohend daherkommt. Sie ist das japanische Äquivalent zum Ku Klux Klan und bekannt dafür, Extremisten wie Yukio Mishima anzuziehen, der 1970 versucht hatte, die Regierung zu stürzen und dann seinen eigenen Bauch aufgeschlitzte, als sein Protest fehlschlug. Heutzutage veranstalten sie antichinesische, antiwestliche und antikoreanische Kundgebungen und erfreuen sich der Unterstützung der kriminellen Yakuza-Vereinigung. Von dieser Bewegung für irgendetwas angegangen zu werden ist wohl kaum eine Beleidigung.

Die westlichen Gruppen beklagen, dass die rechten Nationalisten über Sea Shepherds sogenanntes aggressives und respektloses Verhalten unglücklich seien. Das zeigt jedoch nur, dass diese Menschen keine Ahnung davon haben, wie wenig Einfluss diese ultrarechten extremistischen Schreihälse in Wirklichkeit haben.

Es erinnert mich daran, als wir gegen das Abschlachten von Tauben in Higgins, Pennsylvania, vorgingen. Vor Jahren versuchte der Ku Klux Klan, das kulturelle Recht der Einwohner von Higgins zu verteidigen, Tauben freizulassen, um sie dann zu erschießen, bevor sie fliehen konnten. Obwohl die lokale Bevölkerung auf ihr traditionelles Recht bestand, jedes Jahr zehntausende wehrloser Tauben abzuschlachten, wurde das Gemetzel 1999 beendet. Es hatte Jahre gedauert, aber wir haben gewonnen.



Gleichsam erwarten wir auch nicht, den Kampf für die Delfine in Taiji über Nacht zu gewinnen. Für Higgins haben wir zwei Jahrzehnte gebraucht. Aber wir haben Higgins nie den Forderungen nach Respekt für ihre Kultur nachgegeben. Und wir werden uns ebenso nicht dazu herablassen die Kultur des Abschlachtens in Taiji zu respektieren, genauso wie wir die Stierkämpfe in Spanien oder die Fuchsjagden in England nicht respektieren können. Eine Kultur, die nach Schlachten, Folter und Blut verlangt, ist keine Kultur, die von irgendjemandem aus welchen Gründen auch immer respektiert werden kann.

Es war ein Aspekt der aztekischen Kultur, die schlagenden Herzen aus lebenden Menschen herauszureißen. Es war Bestandteil der spanischen Kultur, Menschen zu foltern, weil sie Juden waren. Warum sollte es in einer Welt, in der Hunde- und Hahnenkämpfe, Bärenhetze und Kaolabär-Schießen nicht länger von den zivilisierten Menschen toleriert werden, Ausnahmen für das böse und ruchlose Vorgehen geben, das wir in Taiji erleben? Und das Argument der so genannten Esskultur hätte auch von den Kannibalen Borneos verwendet werden können, um ihre traditionelle Küche zu verteidigen.  

Wenn es Rassismus ist, Grausamkeit und Mord zu verurteilen, dann ist Rassismus eine Sünde und ein Laster, aber immer noch besser als die ersteren. Wir dürfen uns kein schlechtes Gewissen einreden lassen, nur weil eine kleine Gruppe von Menschen geruht, ihr Töten im Namen der Tradition zu heiligen und dieses lächerliche Konzept nun "Esskultur" zu nennen.

Miyamoto Musashi, den ich seit langem als meinen persönlichen Helden und Lehrer ansehe, war unerschütterlich in seinem Verständnis von Strategie und dem Weg des Samurai. Das Wort „Samurai“ selbst bedeutet „dienen“ und die Cove Guardians sind in Taiji, um den Interessen der Delfine zu dienen und nicht deren Mördern.

Damals 1982, als mich die Fischer von Iki fragten, was für mich wertvoller sei, das Leben eines Delfins oder das eines Menschen, antwortete ich, dass ich sowohl das Recht von Menschen als auch von Delfinen respektiere, frei von Angst und Mord zu leben. Ein Fischer fragte mich daraufhin, wie ich mich entscheiden würde, wenn ich einen Delfin und einen Fischer sehen würde, die beide in einem Netz verfangen sind und ertrinken würden, und ich nur einen von beiden retten könnte?

Ich blickte dem Fischer in die Augen und sagte: „Ich bin hierher gekommen, um Delfine zu retten.”

Der Fischer lächelte ob der Antwort. Sie waren nicht erzürnt, da sie meine Aufgabe respektierten, eben den Delfinen zu helfen. Das war der Grund, warum ich dort war und sie respektierten die Erfüllung meiner Pflicht. Aber sie respektierten auch die Ehrlichkeit meiner Antwort.

Musashis zweigeteilter Weg des Schwertes und der Feder bedeutet, dass man durch beides erziehen soll: Durch Konfrontation und durch standhaftes Verfolgen der Ziele. Und unser Ziel war, das Abschlachten der Delfine zu beenden. Musashis Lehrmeinung war, auf Kompromisse zu verzichten und sich auf das Ziel zu fokussieren und Strategien anzuwenden, um dieses Ziel voran zu treiben.

Die Fünf Strategien für Taiji

Taiji no Itsutsu no Senryaku

Sea Shepherd and TaijiGaiatsu ist die beste Gesamtstrategie in diesem Fall, sie beinhaltet:

1. Fortwährende Überwachung und Dokumentation der Abscheulichkeiten, die in der Bucht von Taiji begangen werden,

2. Die gezielte Verbreitung der Informationen anhand von Beweismitteln und Dokumentationen,

3. Konsequente Bloßstellung und Demütigung der Fischer von Taiji, die Schande über die gesamte japanische Nation bringen,

4. Konsequentes Ausüben von Druck auf die japanischen Botschaften und Konsulate überall auf der Welt und

5. Eine nicht enden wollende, ausgedehnte Kampagne äußeren Drucks und die Erklärung, nie aufzugeben, zurückzuweichen oder Kompromisse einzugehen.

Die vierte Strategie ist die wirksamste, denn sie mobilisiert Menschen von überall auf der Welt, vor Ort aktiv zu werden. Japanische Botschaften und Konsulate registrieren jeden Anruf, jede Email, jeden Brief und jede Petition die sie erhalten. Das ist gaiatsu-Aktivismus der stärksten Sorte und ich glaube, dass er der Schlüssel dazu ist, die Schurken von Taiji zu beschämen und die japanische Regierung unter Handlungsdruck zu setzen.

Als ich die Insel Iki besuchte, um gegen das Deflinschlachten anzugehen, beschrieb mich die Zeitung Asahi Shimbun als den Samurai der Umweltschützer. Und wenn man die lange Geschichte unseres Bundes mit dem Leben in den Ozeanen gegen die Exzesse der japanischen Industrie betrachtet, so haben wir uns in Japan einen Namen gemacht. Vielleicht werden wir nicht gerade gemocht oder bewundert aber wir wurden stets respektiert, da wir unseren Gegnern von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten. Wir kämpfen nicht mit Papier und Worten, sondern mit Aktionen und Taten. Die japanische Regierung nimmt Sea Shepherd ernst und das gereicht uns zu Anerkennung und Ehre.

Japan hat auf dem höchsten diplomatischen Level klar gemacht, dass es Sea Shepherd für eine Bedrohung hält und diese Bedrohung sowohl wirtschaftlich als auch kulturell zu sein scheint.

Ironischerweise passen wir sehr genau in eine Tradition hinein, die in Japan seit dem 17. Jahrhundert gilt und besagt, dass die Ankunft schwarzer Schiffe die Vorboten eines bedeutsamen Wechsels in Japan sind. Zuerst die schwarzen Schiffe der Portugiesen, welche die Nation von sich bekriegenden Daimyos (Lokalherrschern) in einen Staat verwandelt haben, in dem Außenpolitik und Handel bedeutsamer wurden und so die Isolation der japanischen Gesellschaft beendeten und sie für neue Ideen öffneten.

Der japanische Widerstand gegen diesen Wandel führte dazu, dass die japanischen Häfen für Ausländer geschlossen wurden mit der Ausnahme einer jährlichen Handelserlaubnis für die Niederländer in Nagasaki.

Dann – 1853 – veränderten die schwarzen Schiffe von Admiral Matthew Perry, die in den Hafen von Edo einfuhren, den Verlauf der japanischen Geschichte für immer.

1868, im Zuge der Meiji-Restauration wurde der Feudalismus abgeschafft und die Samurai zu Gesetzlosen erklärt. Die Tradition wurde abgelegt, damit Japan industrialisiert werden konnte.

Wegen der schwarzen Schiffe der Portugiesen und Vereinigten Staaten ist der Ausdruck „schwarze Schiffe“ ein Symbol für die Bedrohung durch westliche Technologie geworden.

Sea Shepherd hatte dies nicht im Kopf, als wir unsere Schiffe schwarz gestalteten, aber es erscheint symbolisch für die Geschichte der japanischen gesellschaftlichen Evolution, dass unsere Schiffe schwarz sind und dass diese schwarze Sea Shepherd-Flotte die archaischen Machenschaften der japanischen Walfangflotte im Südpolarmeer herausfordert.

Nichtsdestotrotz ist Sea Shepherd nicht der Ansicht, dass wir der japanischen Kultur keinen Respekt entgegen bringen. Die Kultur der Delfine und Wale genießt jedoch unseren größeren Respekt. Und wir respektieren die Notwendigkeit, die ökologische Unversehrtheit unsere Ozeane zu verteidigen und zu beschützen. Denn diese ist bei weitem wichtiger, als jede menschliche Kultur. Denn ohne einen gesunden, lebendigen Ozean gäbe es überhaupt keine menschliche Kultur






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