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15. Januar 2011

Ein Kommentar des Sea Shepherd Geschäftsführers Steve Roest

Die Fersehsendung „The Big Fish“ des Senders „Channel 4“ sorgt im Vereinigten Königreich momentan für Schlagzeilen. Die Medien berichten, dass Starkoch Gordon Ramsay bei einem Aufeinandertreffen mit costaricanischen Fischern, die illegaler Weise Jagd auf Haifischflossen machten, angeblich mit Benzin übergossen und mit vorgehaltener Waffe bedroht wurde, als er versuchte, ihre Machenschaften aufzudecken. In der gleichen Fernsehserie untersucht Hugh Fearnley-Whittingstall die Praxis Beifang über Bord zu werfen. Die Fischer werden von der Europäischen Kommission dazu angehalten, absolut verwertbaren Fisch wegzuwerfen, der sich ungewollt in ihren Netzen verfangen hat und für den sie aber keine Fangquoten haben. Fearnly-Whittingstall segelte bei einem Schleppnetzfischer mit, der seine Netze über den Meeresboden zog und dabei eine gänzlich willkürliche Bandbreite von Fischen fing. 1889, als die Aufzeichnungen begannen, wurden in England und Wales 4,3-mal mehr Fische angelandet als heute und das von einer Flotte, die größtenteils aus kleinen Segelbooten bestand.

Unglücklicher Weise zeigt dieselbe Fernsehserie, wie der preisgekrönte und weltbekannte Koch Hester Blumenthal einen persönlichen Traum verwirklicht und sich entschließt, Seitenstücke vom Steinbeißer zu kochen. Der Bestand des Atlantischen Steinbeißers, auch als Seewolf bekannt, ist durch die englische und walisische Schleppnetzfischerei seit 1889 um 96 Prozent zurückgegangen. Diese Art ist besonders anfällig für die Überfischung und wurde auf der anderen Seite des Atlantiks bereits so stark dezimiert, dass er in kanadischen Gewässern als bedrohte Art eingestuft wurde. Auch der Rückgang in Europa ist ausreichend, um ihn auf die Rote Liste gefährdeter Arten der International Union for Conservation of Nature (IUCN) zu setzen.

Kümmert diese Starköche die Nachhaltigkeit des Fisches, den sie kochen, oder handeln sie nur im Sinne des Profits und ihrer eigenen Berühmtheit?

Es ist großartig, dass die Medien endlich die Ausmaße des Raubbaus und der Zerstörung erkennen, die sich zu jeder Sekunde eines jeden Tages in unseren Ozeanen abspielen. Kapitän Paul Watson, Begründer und Vorsitzender der Sea Shepherd Conservation Society hat zwar schon die letzten 40 Jahre damit zugebracht uns eben hiervon zu berichten. Aber hey, wir reden immerhin jetzt darüber. Besser spät als nie.

Das einzige Problem dabei ist, dass während sich die Regierungen über Fangquoten und -methoden streiten und die Chefköche darüber diskutieren, welcher Fisch denn „nachhaltig“ zu kochen und in ihren Sternerestaurants zu servieren sei, unsere internationalen Experten und Marinewissenschaftler ein wirklich grauenerregendes aber realistisches Bild zeichnen:

„Die Arten verschwinden aus dem Ökosystem der Ozeane und dieser Prozess hat sich in jüngster Vergangenheit noch beschleunigt“, sagt der führende Autor und Meereswissenschaftler Boris Worm. „Erst jetzt beginnen wir langsam einige der Konsequenzen zu begreifen. Wenn sich der Langzeittrend weiterhin so entwickelt wie bisher, werden jegliche Bestände von Fischen und Meeresfrüchten voraussichtlich noch zu meinen Lebzeiten kollabieren – nämlich bis 2048.“ Worm ist Dozent für Meereserhaltungsbiologie an der Dalhousie Universität in Halifax, Kanada.

„Bereits jetzt,“ fährt Worm fort, „sind die Bestände von 29 Prozent aller Fisch- und Meeresfruchtarten zusammengebrochen – das heißt, dass ihr Fang um 90 Prozent zurückgegangen ist. Das ist ein sehr klarer Trend und er beschleunigt sich noch. Wir bedürfen keiner Modelle um dies zu verdeutlichen.“

Es wird geschätzt, dass bereits 90 Prozent aller großen Raubfische aus unseren Meeren gezogen wurden. Und 40 Millionen Tonnen Fisch werden jedes Jahr als unerwünschter Beifang weggeworfen (das sind 40 Prozent des weltweiten Gesamtfangs). Wir betreiben einen so enormen und beispiellosen Raubbau in den Meeren, dass wir davon ausgehen müssen, dass bis 2048 keine ausreichenden Bestände mehr für den kommerziellen Fischfang bestehen werden. Und aktuell werfen wir 40 Prozent von dem, was wir fangen als „ungewollt“ weg? Was für ein unglaublich entsetzliches Paradoxon.

Sea Shepherd ist keine Tierrechtsvereinigung, wir sind eine Umweltschutzorganisation. Und obwohl ich selbst Vegetarier bin, wurde ich in einem Haushalt groß, in dem wir einmal die Woche Fisch aßen. Aber heutzutage essen viele Menschen täglich Fisch. Familien essen mehrmals am Tag Fischfilet und zwar im örtlichen Fast-Food-Restaurant. 14.000 Fish&Chips-Shops in Englang verkaufen Hai (merkwürdiger Weise als „Schillerlocke“ ausgewiesen). Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace oder WWF debattieren darüber, was nachhaltig sei und was nicht. Gremien wie das Marine Stewardship Council (MSC) betreiben Greenwashing und verteilen Ökolabels, um einen bestimmten Fisch als „nachhaltig“ zu zertifizieren. Aber die Wahrheit ist simpel und offensichtlich: Die Menschen essen zu viel zu viel Fisch! Wenn wir unsere Essgewohnheiten nicht radikal ändern, werden wir sämtliche Fischbestände binnen der nächsten 40 Jahre komplett zerstört haben.

Es gibt ein Wort für etwas, das nicht rational nachvollziehbar ist und aller Wahrscheinlichkeit nach schreckliche Konsequenzen mit sich bringt – und dieses Wort ist ‚Wahnsinn’.

Und die Art und Weise, wie die Weltbevölkerung mit den Ressourcen ihrer Ozeane umgeht, ist wahnsinnig. Während einige über Fangquoten diskutieren und darüber, welchen Spezies nachhaltig zu fischen seien, saugen die kommerziellen Fangflotten jedes lebendige Wesen aus unseren Meeren. Wir haben die wissenschaftlichen Beweise die wir brauchen. Wir brauchen bloß in unsere eigene jüngste Vergangenheit zurück zu schauen, wie zum Beispiel zu dem Zusammenbruch der Dorschfischerei auf den Grand Banks in den 1990ern, um den Wahnsinn in unserem Verhalten zu erkennen.

Was können wir tun? Nun, wir sollten aufhören, Fisch zu essen (oder unseren persönlichen Konsum zumindest drastisch reduzieren). Es müssen weitläufige Marine-Reservate eingerichtet werden und Fangverbotszonen, die mindestens 50 Prozent unserer Ozeane umfassen. Außerdem müssen die kommerziellen Fangflotten abgeschafft werden. Wenn wir dies nicht tun, wird es keine Erholung für die Fischbestände geben und es wird nichts übrig sein, über was man in Zukunft noch diskutieren könnte.

Wie Kapitän Paul Watson so treffend anmerkt: „Wenn die Ozeane sterben, sterben auch wir. Erinnern wir uns daran, dass diese Zerstörung unser Werk ist und daran, dass wir sie aufhalten können, wenn wir den gemeinsamen Willen entwickeln zu handeln."






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