Idiacanthus atlanticusWir wissen mehr über den Mond, als über unsere Ozeane – diese Erkenntnis wird jeder Meeresforscher und Tiefseetaucher sofort bestätigen. Bis zum tiefsten Punkt der Meere sind bis heute nicht mehr als eine Handvoll Menschen vorgedrungen ­– unter ihnen der weltbekannte Regisseur James Cameron. Was sie, und die Kameras diverser Tauchroboter, die man in die dunklen Tiefen hinabgeschickt hatte, dort gesehen und gefilmt haben, ist oftmals spannender als die besten Gruselfilme.

Garnelen, die ohne Augen sehen. Riesenasseln, die einen halben Meter lang werden. Krebse, die Infrarotantennen auf dem Rücken tragen. Osedax-Würmer, die sich von Knochen toter Tiere ernähren. Vampirtintenfische. Riesenkalmare. Und wer weiss, was nicht noch alles.

Ein besonders faszinierender Jäger der Tiefe ist der Drachenfisch. Seine ausgefuchste Strategie: Er nutzt selbstgeneriertes biologisches Rot-Licht, und erspäht somit seine Beute. Die kleinen farbenblinde Fische haben keine Chance, seinem Rachen zu entkommen. Schliesslich ist sogar die Zunge des Drachenfisches mit messerscharfen Zähnen bespickt!

Wie kann ein Fisch in mehreren Tausend Metern Tiefe Licht herstellen? Forscher haben das Phänomen der Biolumineszenz beim Drachenfisch und anderen Tiefseearten untersucht. Verantwortlich sind Luciferine. Diese kleinen Moleküle reagieren auf Sauerstoff, in dem sie Energie in Form von Licht abgeben. Sie und das Leuchtstoff-Molekül Coelentarazin werden per Nahrung aufgenommen. Was bis heute nicht geklärt wurde: Wie konnten sich die Augen des Drachenfisches per Evolution so sehr verändern, dass aus einer ursprünglich farbenblinden Art ein „Rotlicht-Jäger“ wurde? Einige Wissenschaftler vermuten, dass Drachenfische mit Chlorophyll, das sie in ihren Augen lagern, Licht einfangen und verwerten können. Diese faszinierende Fähigkeit kannte man bis anhin nur von Pflanzen.

Die Tiefsee erinnert uns immer wieder daran, wie wenig wir über unseren eigenen Planeten wissen. Und wie kostbar und überlebenswichtig die Meere für uns wirklich sind. Ihr Schutz sollte oberste Priorität haben.




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