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20. Dezember 2018: Bericht des Captains der SAM SIMON, Alistair Allan

Liberia, Westafrika – Es ist wieder ein wolkenloser Tag, und das blaue Wasser schimmert unter der unnachgiebigen Sonne. Nur selten durchbricht eine leichte Brise Wind die unendliche, türkise Weite, auf die ich durch mein Bullauge blicke. Das interne Telefon in meiner Kabine beginnt zu klingeln. Am anderen Ende der Leitung ruft eine aufgeregte Stimme: „Orcas! Draußen sind Orcas!“ Schnell steige ich die Stufen zur Brücke empor und halte Ausschau von der Steuerbordseite. Als ich meinen Blick über das Wasser gleiten lasse, taucht eine riesige Rückenflosse unmittelbar neben dem Schiff auf. Es ist die größte der Schule, die Matriarchin. Ich erkenne, dass sie auf allen Seiten neben unserem Schiff schwimmen, eine Familie von etwa 12 Tieren! Die Crew ist begeistert von dem Anblick der jungen Mitglieder der Orcafamilie, die herumspringen und -spritzen.

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Die SAM SIMON befindet sich nun seit einem Monat wieder auf Patrouillenfahrt in Liberia, und während dieses besonderen Zusammentreffens lagen wir weitab, an der östlichen Grenze zwischen Liberia und der Elfenbeinküste. Hier mündet der Fluss Cavalla im Meer, und das Gebiet ist für seinen Artenreichtum bekannt. Vor dem Beginn der OPERATION SOLA STELLA im Jahr 2016, beklagten sich die örtlichen Kleinfischer darüber, dass in dieses Gebiet täglich fremde, industrielle Schleppnetzschiffe eindringen. Diese kamen Nacht für Nacht über die Grenze und machten die Netze der Kleinfischer platt, überfuhren ihre Kanus, und stahlen den Fisch, mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienten. Heute, fast drei Jahre später, hat die liberianische Küstenwache in Kooperation mit Sea Shepherds SAM SIMON und BOB BARKER diese nächtlichen Einfälle komplett zum Erliegen gebracht.

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Es hat aber nicht drei Jahre gedauert, das Eindringen der illegalen Fangschiffe in liberianische Gewässer zu stoppen. Tatsächlich hörte diese Praxis fast sofort nach der ersten Patrouille der BOB BARKER auf. Aber wir bleiben wachsam und zeigen Präsenz. Zurzeit sind unsere Patrouillenfahrten ruhig. Unsere Funkortung ist im Dauereinsatz und zeigt im Umkreis vieler Meilen kein einziges Schiff an, abgesehen von ein paar kleinen Kanus. Wenn ich nachts draußen auf der Brückennock stehe, sehe ich nicht mehr die grellen Lichter der industriellen Fangschiffe, sondern das Funkeln der Sterne. In Anbetracht der Tatsache, dass ein einziges Schleppnetzschiff zwischen fünf und zehn Tonnen Fisch am Tag fangen kann, wäre schon die Vertreibung eines einzelnen Schiffes ein Sieg, ganz zu schweigen von dem dunklen, unbefahrenen Ozean, wie ich ihn heute sehe. Die Nächte, in denen skrupellose Wilderer hier rücksichtslos plünderten, sind vorbei.

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Allein in dieser Gegend konnten vier illegale Fangschiffe festgesetzt werden – insgesamt waren es 13 in liberianischen Gewässern. Es hat sich unter fremden, industriellen Schleppnetzfischern herumgesprochen, dass sie, wenn sie die Grenze nach Liberia überqueren, dort von der liberianischen Küstenwache erwartet werden. Das Ausbleiben illegaler Aktivitäten ist der Beweis für unseren Erfolg. Doch was noch viel wichtiger ist, die illegalen Aktivitäten wurden durch etwas anderes ersetzt: eine lebendige Unterwasserwelt.

In den Gewässern wimmelt es von Meerestieren. Wir treffen auf große Delfinschulen, die manchmal bis zu 500 Mitglieder zählen. Wir sehen Thunfischschwärme vorbeiziehen; wir begegnen Walen und an besonderen Tagen wie heute Orcas. Was einst ein Gebiet voller illegaler Schleppnetze und Fangschiffe war, ist erneut ein Rückzugsgebiet für das Leben. Die Gemeinden vor Ort berichten von Fischbeständen, die zurück an ihre küstennahen Laichplätze kehren. Das Leben dort normalisiert sich, sowohl für die Meeresbewohner als auch für die, die von ihnen abhängen.

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Als ich zu Sea Shepherd kam, liefen gerade unsere Antarktis-Kampagnen zur Rettung der Wale. Somit war ich dynamische Gefechte und permanente Auseinandersetzungen gewohnt. Ich war sehr stolz auf unsere Mission. Ich wollte Wale vor Harpunen retten. Acht Jahre später stehe ich nun am Brückendeck der SAM SIMON und sehe diese Orcas vorbeiziehen. Ich empfinde dabei das gleiche Gefühl von Stolz. Jedes Jahr sterben bis zu 300.000 Wale und Delfine als Beifang in der Fischereiindustrie. Daher halte ich diese Kampagnen gegen illegale Fischerei für die natürliche Fortsetzung dessen, was ich vor all den Jahren begonnen habe. Der Unterschied zu damals ist, dass wir nicht nur Wale schützen: Unzählige Fischarten, Haie, Rochen und Schildkröten profitieren ebenso von einem Meer, das frei von illegalen Fangschiffen ist.

Obwohl unser Einsatz weniger aktionsreich ist, spendet es mir und meiner Crew jeden Tag Freude, Delfinschulen spielen, oder Thunfische vorbeiziehen zu sehen. Das Leben kehrt nach Liberia zurück und wird geschützt, sowohl das der Meeresbewohner, als auch das der Menschen, die einen gesunden Ozean zum Überleben brauchen.

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